Kommentar zum „Brief aus Luzern“ von Kantonsrat Jakob Lütolf im Willisauer Boten (07.04.10)
Der „Brief aus Luzern“ von Jakob Lütolf darf nicht unbeantwortet bleiben. Herr Lütolf prügelt das Bildungsdepartement (dessen Vorsteher immerhin der gleichen Partei wie er angehört) ungerecht und unsachlich. Mit dem Projekt „Schulen mit Zukunft“ hat das Bildungsdepartement 2006 alle Absichten offen gelegt. Der Verband Luzerner Gemeinden (VLG), der Verband der Schulpflegepräsidenten (VSPL), der Verband der Schulleiter (VSL LU) und der Luzerner Lehrerverband (LLV) tragen das Projekt mit und haben auch an vielen Veranstaltungen im ganzen Kanton ihre Unterstützung bekräftigt. Leider stelle ich immer wieder fest, dass solche fundierten und durchaus diskussionswürdigen Papiere nicht gelesen werden.
Das Bildungsdepartement hat Ziele und verfolgt sie. Ist man mit diesen nicht einverstanden, muss man sich rechtzeitig melden. Darum stören mich im Artikel von Jakob Lütolf Begriffe wie „Schlaumeierei“, „Hintertür“ oder „Sündenfall Sekundarstufe“. Das ist eine polemische und absolut unsachliche Beurteilung. Die Harmos-Gegner haben seinerzeit mit Vehemenz das frühe Eintrittsalter bekämpft, mit Erfolg. Dem wird Rechnung getragen. Und wenn das Bildungsdepartement den Gemeinden überlässt, ob sie zwischen Basisstufe und dem zweijährigen Kindergarten als Einstieg ins Schulleben wählen dürfen, trägt es auch den unterschiedlichen Voraussetzungen in den Gemeinden Rechnung, ohne dabei das Ziel einer sanften, individuellen und ohne Leistungsdruck begleiteten Einschulung unserer kleinen Knirpse aus den Augen zu verlieren.
Ich persönlich kann die Basisstufe aus Erfahrung nur empfehlen. Wir haben eine Pilotklasse in Sörenberg, und da erhalte ich als zuständiger Schulleiter nur positive Rückmeldungen. Natürlich kostet alles etwas. Das darf es auch, wie Herr Lütolf zubilligt. Es ist auch bezahlbar und löst keinen gewaltigen und noch nie dagewesenen Kostenschub aus. Ich empfehle allen einmal einer Basisstufe in ihrer Nähe einen Besuch abzustatten und sich mit den Lehrpersonen und den Eltern zu unterhalten und sich erst dann ein Urteil zu bilden. Ein schlechtes Kosten-Nutzenverhältnis zu proklamieren ohne die pädagogischen Vorteile zu kennen ist hypothetisch, unsachlich und auch unfair. Die Schule passt sich den gesellschaftlichen Entwicklungen an. Harmonisierung besteht nicht darin, für jede Schulstufe in der Schweiz ein einheitliches Modell zu finden. Das ist bei unserem föderalistischen System gar nicht möglich. Vielmehr sollen die Lernziele, und wann diese erreicht werden sollen, einheitlich definiert werden. Der Lehrplan 21 ist das beste Instrument dazu. Aber selbst dieser wird von gewissen Kreisen wieder torpediert, bevor er überhaupt erstellt ist.
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