Vertrauen gewinnen – Zukunft gestalten
Die ganze Welt und mit ihr Europa – wo wir mitten drin leben und arbeiten – befindet sich in einem rasanten Wandlungsprozess. Unsere Welt wird in 20 Jahren noch einmal ganz anders aussehen als heute. In einer globalisierten und in allen Bereichen immer komplexeren Welt ist der Zusammenhang von Ursache und Wirkung für den einzelnen Menschen immer weniger erkennbar. Deshalb muss den Verantwortlichen in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik Vertrauen entgegen gebracht werden, obschon es für die einzelnen Menschen nicht möglich ist, alle Zusammenhänge selber zu erfassen und die Auswirkungen von Handlungen schlüssig zu beurteilen. Dieser Wandel ist eine grosse Herausforderung. Offensichtliche und auch von den Medien hochgespielte Fehlentwicklungen sind dabei unvermeidlich. Das schafft Unsicherheit und erzeugt Ängste – auch bei uns in der Schweiz.
In einer solchen Situation wären Parteien als vermittelnde Instanz gefordert. Diese Rolle haben sie früher einmal gespielt. Aber der politische Prozess hat sich in vielerlei Hinsicht verändert. Die Medien haben wesentlich dazu beigetragen. Die Politikerinnen und Politiker kommunizieren direkt über die Medien und insbesondere übers Fernsehen. Weil sie vom zeitlich begrenzten Vertrauen der Wählerinnen und Wähler abhängig sind, werden sie mit Blick auf die nächsten Wahlen dazu verleitet, stark zu polarisieren und sich selber als Heilsbringer aufzuspielen.
Beunruhigende Entwicklung
So haben die Parteien ihre Bedeutung als vermittelnde Instanz weitgehend verloren. Das zeigt sich beispielsweise bei der Abstimmung über den Umwandlungssatz. Wir werden erfreulicherweise im Durchschnitt immer älter. Weil das abgesparte Geld für die Rente deshalb länger reichen muss, ist die Anpassung eigentlich logisch. Und trotzdem empfehlen sogar Kantonalparteien, die immer wieder fordern, die Sozialwerke langfristig zu sichern, die Senkung des Umwandlungssatzes abzulehnen. Das ist zwar inkonsequent und nicht zu verantworten. Aber mit Sicht auf die nächsten Wahlen ist es eben erfolgversprechend.
Diese Entwicklung beunruhigt mich. Es ist unübersehbar: Der Missmut in breiten Kreisen der Bevölkerung wächst. Das Vertrauen in die Verantwortungsträger von Politik und Wirtschaft sinkt. Viele Menschen fühlen sich ohnmächtig. Sie resignieren, wenden sich ab oder ziehen sich ganz ins Private zurück. Wir Liberalen sind von dieser Situation besonders betroffen und auch in besonderem Masse herausgefordert. Wir haben die Entwicklung der Schweiz als staatstragende Kraft in hohem Masse geprägt und haben wesentlich zur Erfolgsgeschichte unseres Landes beigetragen.
Ballast abwerfen
Die erzielten Erfolge werden aber längst als selbstverständlich betrachtet. Sie sind für unsere Partei keine gesicherte Grundlage für eine erfolgreiche Zukunft. Stärker als andere Parteien werden wir von der politischen Konkurrenz und insbesondere von den Medien für Blockaden in der Politik und für alle tatsächlichen und vermeintlichen Fehlentwicklungen verantwortlich gemacht.
Von diesem Druck können und müssen wir uns befreien. Wir Liberalen haben im neunzehnten Jahrhundert schon einmal bewiesen, dass wir aus grossen Wirren heraus eine erfolgreiche Zukunft gestalten können. Auf diese Kraft müssen wir uns besinnen und darauf vertrauen. Wir sind aufgerufen, die Schweiz neu zu erfinden. Wir müssen mit Mut und Zuversicht eine Vision für die Zukunft entwerfen. Wenn wir weiterhin auf unsere Grundsätze vertrauen, diese den Erfordernissen der Zeit anpassen und uns von unnötigem Ballast befreien, werden wir verlorenes Vertrauen zurück gewinnen. Davon bin ich felsenfest überzeugt.
Vertrauen als Vorleistung
Politik muss von Vertrauen getragen sein – je länger je mehr. Vertrauen muss Menschen und Organisationen gegenüber aber freiwillig geschenkt werden. Vertrauen ist eine Vorleistung und muss immer wieder neu gewonnen werden. Vertrauen wir auf uns. Wagen wir gemeinsam Neues zu denken und zum Wohle unserer Schweiz umzusetzen. So gewinnen wir bei Schweizerinnen und Schweizer verlorenes Vertrauen zurück, gestalten die Zukunft unseres Landes und sichern den Erfolg der FDP.
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Samstag, 20. Februar 2010 16:36
Geschätzte Frau Leumann
Mit Interesse lese ich Ihre Gedanken: Im Grundsatz haben Sie vollumfänglich recht und es gibt eigentlich nichts dazuzufügen. Eine Textpassagen macht mich “stutzig” und ermuntert zur Antwort. …man muss den Verantwortlichen in Gesellschaft, Politik, Wirtschaft vertrauen entgegenbringen…. .
Alles schön und recht. Gerne differenziere ich den Sachverhalt: Die Politiker sollten wieder vertrauenswürdiger werden. Selber zähle ich Sie nicht zu den “Populisten” unter der Bundeskuppel. Leider haben Sie aber eine sehr hohe Anzahl von Politkollegen (aller Parteien), welche die Basis doich als eher schwatzhaft, wenig strategisch und konzeptionell denkend und nicht der Sache dienend wahrnimmt. Dies macht es sehr schwierig, den Politikern und dem Politsystem das von ihnen geforderte Vertrauen entgegenzubringen.
Persönlich nehme ich ein Jahr nach meinem Wegzug aus Luzern die Entwicklung aus einer etwas anderen Perspektive (Kloster) wahr.
Unser gesellschaftliches System – zu dem ich im Grundsatz auch heute noch vollumfänglich stehe – hat einen ausserordentlich hohen “Reformbedarf”. Mehr Sachpolitik, mehr langfristiges denken und handeln (weniger händeln) und weniger Politklamauk sind gefragt.
Fridolin Schwitter
8640 Rapperswil