FDP bleibt Gewicht im Bundesrat
Die CVP hat sich bei der Bundesrats-Ersatzwahl überschätzt. Und die Situation unterschätzt. Eigentlich war es ja von Beginn weg offensichtlich. Der Angriff der sogenannten Mittepartei CVP auf die Mittepartei FDP.Die Liberalen, ist in sich problematisch. Kommt hinzu, dass sich die Linken und Grünen als wenig verlässliche Partner erwiesen haben. Die sogenannten Strategen liessen sich einlullen – eine gefährliche Sache, wie Figura nun zeigt. Anders die SP. Diese hat erkannt, dass sie ihre beiden Sitze auf Dauer nur halten kann, wenn auch die Konkordanz erhalten bleibt. So einfach ist das.
Eine Strategie – und gute Nerven
Die FDP ist eine gewagte Strategie gefahren – und hat gewonnen! Hier noch die Zahlen des Schlussgangs für die Statistiker: Burkhalter 129, Schwaller 109, Lüscher vier, fünf Leerstimmen und eine ungültige. Ich war anfänglich für eine Einerkandidatur mit Didier Burkhalter. Nun, es hat geklappt, aber die letzten Wochen waren happig. Die Medien – oft von der Konkurrenz mit unsichtbarer Hand geführt- hatten sich auf die FDP eingeschossen.
Wir haben den zweiten Sitz im Trockenen, und das ist gut so. Mit Didier Burkhalter wurde eine Persönlichkeit gewählt, die überlegt ans Werk geht. Das hat er als Ständerat mehr als einmal bewiesen. Auch in seiner Heimat Neuenburg hat er positive Spuren hinterlassen. Er gilt als einer, der zuhören – und handeln kann. Dass er ein ruhiger Typ ist, hat durchaus Vorteile. Der NZZ vom 18. September entnehme ich das Geheimnis des Neuenburger Erfolgs. Der Kanton hat es bis heute nämlich auf neun Bundesräte (eigentlich sind es deren 9,5 wenn man die Wahl von SP-Mann Francis Matthey in Erinnerung ruft, der die Wahl damals nicht annehmen durfte) gebracht: «Neuenburg hat so viele Bundesräte pro Kopf hervorgebracht wie sonst kein anderer Kanton – und dies obwohl die Neuenburger meist wenig aufhebens von sich machen. Was mag der Grund sein? Wahrscheinlich genau der, dass sie gewöhnlich kein Aufsehen erregen.» Der Autor folgert, was als Ausgangslage nicht besser sein kann:« Bei den Neuenburgern weiss man, was man hat!» Dem ist nichts mehr beizufügen.
Merci Christian, merci Pascal
Vorerst ein Merci an Christian Lüscher. Seine Kandidatur hat den «Wahlkampf» belebt. Seine Frische hat unserem Label gut getan. Sein Wahlkampf mit Didier Burkhalter war fair, ja fast freundschaftlich. Die Art wie er die Entscheidung des Parlaments akzeptiert hat, verdient Anerkennung.
Ein grosses Merci geht an den scheidenden Bundesrat Pascal Couchepin. Er hat viel für unser Land getan. Viele seiner Ideen und Vorschläge werden wieder auftauchen, wenn wir die heissen Eisen im Bereich der Sozialversicherungen anpacken werden. Er ist ein Freigeist, der nicht nur sagt, was er denkt; er ist einer der auch handelt. Er ist einer, der für das hinsteht, was er tut. Das mag einigen nicht passen. Viele haben es geschätzt, bei Pascal Couchepin weiss man, was man hat. Er ist ein in der Wolle gefärbter Freisinniger. Ein Alphatier. Seine Verabschiedung im Parlament hat mich beeindruckt. Irgendwie kam es mir vor, dass es da einigen Damen und Herren quasi in letzter Minute bewusst wurde, dass da einer geht, der viel geleistet hat.
Ich bin sicher, dass uns Pascal Couchepin irgendwie politisch erhalten bleibt. Typen wie er können doch nicht anders. Das ist doch gut so.
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